Datenerfassung und Prozessregelung im WAAM Prozess: Unterschied zwischen den Versionen

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Die Zusammenarbeit zwischen der Universität Passau und Siemens basierte auf der Weiter-
Die Zusammenarbeit zwischen der Universität Passau und Siemens basierte auf der Weiterentwicklung von Prozess-Monitoring Verfahren für die mehrachsige additive Drahtlichtbogenfertigung (Wire-Arc Additive Manufacturing / WAAM). Dabei hat die Siemens AG die experimentelle Arbeit, die Steuerungs- und Regelungstechnik und die Validierungsversuche übernommen. Die Auswertung der Bilder der Schweißkamera einschließlich Bildvorverarbeitung  
entwicklung von Prozess-Monitoring Verfahren für die mehrachsige additive Drahtlichtbogen-
fertigung (Wire-Arc Additive Manufacturing / WAAM). Dabei hat die Siemens AG die experi-
mentelle Arbeit, die Steuerungs- und Regelungstechnik und die Validierungsversuche über-
nommen. Die Auswertung der Bilder der Schweißkamera einschließlich Bildvorverarbeitung  
und Feature-Extraktion sowie die Modellauswahl und das Training eines neuronalen Netzes  
und Feature-Extraktion sowie die Modellauswahl und das Training eines neuronalen Netzes  
wurden von der Universität Passau durchgeführt.   
wurden von der Universität Passau durchgeführt.   
Einer der Kernpunkte war die Entwicklung eines Closed-loop-Reglers für das Wire-Arc Additive  
Einer der Kernpunkte war die Entwicklung eines Closed-loop-Reglers für das Wire-Arc Additive  
Manufacturing zur Prozessstabilisierung. Im WAAM-Prozess ist die Einhaltung des richtigen  
Manufacturing zur Prozessstabilisierung. Im WAAM-Prozess ist die Einhaltung des richtigen  
Düsen-Arbeits-Abstands entscheidend, um Kollisionen und Prozessfehler zu vermeiden. Die-
Düsen-Arbeits-Abstands entscheidend, um Kollisionen und Prozessfehler zu vermeiden. Dieser Arbeitsabstand wird vorab in der Fertigungsplanung des Bauteils versucht möglichst exakt  
ser Arbeitsabstand wird vorab in der Fertigungsplanung des Bauteils versucht möglichst exakt  
zu definieren. Dies ist aber vor allem bei der Pfadplanung von komplexeren Bauteilen schwierig umsetzbar. Die interne Regelung während des Prozesses in Echtzeit gleicht diese Ungenauigkeiten aus, wodurch die Produktion einer Charge wesentlich beschleunigt und vereinfacht wird. Die Prozessregelung adaptiert in diesem Fall die Roboter-Verfahrgeschwindigkeit,  
zu definieren. Dies ist aber vor allem bei der Pfadplanung von komplexeren Bauteilen schwie-
wodurch die Schichthöhe schnell adaptiert werden kann, ohne die Prozessparameter zu verändern. Dazu wurden verschiedene Sensor-Konzepte (Strom/Spannungssensoren, akustische Sensoren, Spektrometer, Schweißkamera, etc.) hinsichtlich quantitativer und qualitativer  
rig umsetzbar. Die interne Regelung während des Prozesses in Echtzeit gleicht diese Unge-
nauigkeiten aus, wodurch die Produktion einer Charge wesentlich beschleunigt und verein-
facht wird. Die Prozessregelung adaptiert in diesem Fall die Roboter-Verfahrgeschwindigkeit,  
wodurch die Schichthöhe schnell adaptiert werden kann, ohne die Prozessparameter zu ver-
ändern. Dazu wurden verschiedene Sensor-Konzepte (Strom/Spannungssensoren, akusti-
sche Sensoren, Spektrometer, Schweißkamera, etc.) hinsichtlich quantitativer und qualitativer  
technischer sowie wirtschaftlicher Kenngrößen analysiert, wobei sich herausstellte, dass die  
technischer sowie wirtschaftlicher Kenngrößen analysiert, wobei sich herausstellte, dass die  
Schweißkamera aufgrund ihrer Fähigkeit geometrie- und richtungsunabhängig die Schicht-
Schweißkamera aufgrund ihrer Fähigkeit geometrie- und richtungsunabhängig die Schichthöhe zu bestimmen, am geeignetsten für eine unidirektionale stabile Prozessregelung ist. In  
höhe zu bestimmen, am geeignetsten für eine unidirektionale stabile Prozessregelung ist. In  
den Schweißkamerabildern lässt sich aufgrund der Perspektive und der wechselnden Geometrie der Abstand nicht direkt bestimmen. Anstatt dessen wurde der oszillierende Schweiß-
den Schweißkamerabildern lässt sich aufgrund der Perspektive und der wechselnden Geo-
draht als räumliche Orientierung herangezogen. Verfahrensbedingt taucht der Draht periodisch ins Schmelzbad ein, um den Stromkreis zu schließen. In diesen Momenten entspricht  
metrie der Abstand nicht direkt bestimmen. Anstatt dessen wurde der oszillierende Schweiß-
draht als räumliche Orientierung herangezogen. Verfahrensbedingt taucht der Draht perio-
disch ins Schmelzbad ein, um den Stromkreis zu schließen. In diesen Momenten entspricht  
die Drahtlänge (Stick-Out) dem Düsen-Arbeits-Abstand. Als Hindernis ist an dieser Stelle die  
die Drahtlänge (Stick-Out) dem Düsen-Arbeits-Abstand. Als Hindernis ist an dieser Stelle die  
im Vergleich zum Produktionsprozess niedrigere Aufnahmefrequenz zu nennen, sodass die  
im Vergleich zum Produktionsprozess niedrigere Aufnahmefrequenz zu nennen, sodass die  
oszillierende Drahtbewegung nicht als Ganzes aufgelöst werden kann. Durch Beobachten des  
oszillierende Drahtbewegung nicht als Ganzes aufgelöst werden kann. Durch Beobachten des  
Stick-outs in einem hinreichend großen Zeitfenster kann jedoch auf den momentanen Düsen-
Stick-outs in einem hinreichend großen Zeitfenster kann jedoch auf den momentanen Düsen-Arbeits-Abstand über die längste Drahtlänge innerhalb dieses Zeitraums geschlossen werden.  
Arbeits-Abstand über die längste Drahtlänge innerhalb dieses Zeitraums geschlossen werden.  


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Die Drahtlänge wurde nach der Erprobung verschiedener Bildanalyse-Algorithmen schließlich  
Die Drahtlänge wurde nach der Erprobung verschiedener Bildanalyse-Algorithmen schließlich  
mittels eines Modells, basierend auf einem neuronalen Netz, aus den Schweißkamerabildda-
mittels eines Modells, basierend auf einem neuronalen Netz, aus den Schweißkamerabilddaten extrahiert. In der Erprobungsphase wurden klassische modellbasierte Bildverarbeitungsmethoden getestet. Sowohl Kantenextraktionsverfahren als auch detailliertere Orts-Frequenzraum-basierte Verfahren zur Informationsextraktion erwiesen sich als gleichermaßen ungeeignet, um die verfahrensbedingt starken, kontinuierlichen Änderungen der Hintergrund- und  
ten extrahiert. In der Erprobungsphase wurden klassische modellbasierte Bildverarbeitungs-
methoden getestet. Sowohl Kantenextraktionsverfahren als auch detailliertere Orts-Frequenz-
raum-basierte Verfahren zur Informationsextraktion erwiesen sich als gleichermaßen ungeeig-
net, um die verfahrensbedingt starken, kontinuierlichen Änderungen der Hintergrund- und  
Lichtverhältnisse systematisch zu erfassen. Auch das Erscheinungsbild des Drahtes ändert  
Lichtverhältnisse systematisch zu erfassen. Auch das Erscheinungsbild des Drahtes ändert  
sich permanent. So lässt er sich u. U. sehr schlecht vom Hintergrund abgrenzen, da der Draht  
sich permanent. So lässt er sich u. U. sehr schlecht vom Hintergrund abgrenzen, da der Draht  
je nach Lichtreflexion heller oder dunkler erscheint. Versuche der Modellbildung mit oben ge-
je nach Lichtreflexion heller oder dunkler erscheint. Versuche der Modellbildung mit oben genannten Verfahren führten zu nicht-deterministischen Kaskaden von Fallunterscheidungen,  
nannten Verfahren führten zu nicht-deterministischen Kaskaden von Fallunterscheidungen,  
die vor allem in Grenzfällen zu unpräzisen Ergebnissen führten. Da allerdings der Draht bzw.  
die vor allem in Grenzfällen zu unpräzisen Ergebnissen führten. Da allerdings der Draht bzw.  
dessen Ausmaße mit dem menschlichen Auge durchaus nahezu immer zu erkennen sind,  
dessen Ausmaße mit dem menschlichen Auge durchaus nahezu immer zu erkennen sind,  
wurde als vielversprechende Methode Machine-Learning (genauer der Einsatz eines neuro-
wurde als vielversprechende Methode Machine-Learning (genauer der Einsatz eines neuronalen Netzes) gewählt. Nach einer Kalibrierung der Anlage und der Bildgebung, die in Kooperation entstand, wurden für den Aufbau und das Training eines neuronalen Netzes, konkret  
nalen Netzes) gewählt. Nach einer Kalibrierung der Anlage und der Bildgebung, die in Koope-
eines Deep Convolutional Neural Networks (DCNN), über 5000 Bilder gelabelt. In der Offline-Analyse erwies sich das trainierte Netz als robust bezüglich perspektivischer Änderungen, unterschiedlichen Geometrien und wechselnden Umgebungsverhältnissen. Die Prädiktionsfehler im Generalisierungsfall lagen stets im Toleranzbereich. Das Netz ist in der Lage die Drahtlänge  
ration entstand, wurden für den Aufbau und das Training eines neuronalen Netzes, konkret  
in Echtzeit vorherzusagen, da die Berechnung der momentanen Drahtlänge aus einer Einzelaufnahme auf der CPU eines Standard Desktop PCs weniger als 30ms beträgt.
eines Deep Convolutional Neural Networks (DCNN), über 5000 Bilder gelabelt. In der Offline-
Analyse erwies sich das trainierte Netz als robust bezüglich perspektivischer Änderungen, un-
terschiedlichen Geometrien und wechselnden Umgebungsverhältnissen. Die Prädiktionsfehler  
im Generalisierungsfall lagen stets im Toleranzbereich. Das Netz ist in der Lage die Drahtlänge  
in Echtzeit vorherzusagen, da die Berechnung der momentanen Drahtlänge aus einer Einzel-
aufnahme auf der CPU eines Standard Desktop PCs weniger als 30ms beträgt.


Auf Basis der Abstandsmessung zur Schichthöhenbestimmung wurde eine Abstandsregelung  
Auf Basis der Abstandsmessung zur Schichthöhenbestimmung wurde eine Abstandsregelung  
geschaffen. Anstatt im Fall einer Abstandsabweichung die Düse direkt zu repositionieren, wer-
geschaffen. Anstatt im Fall einer Abstandsabweichung die Düse direkt zu repositionieren, werden die Roboter-Verfahrgeschwindigkeit und so die Schmelzbadgeometrie wie gewünscht be-
den die Roboter-Verfahrgeschwindigkeit und so die Schmelzbadgeometrie wie gewünscht be-
einflusst. Die Funktionsfähigkeit der Abstandsregelung wurde durch die Herstellung komplexer  
einflusst. Die Funktionsfähigkeit der Abstandsregelung wurde durch die Herstellung komplexer  
mehrachsiger Teile validiert. Insbesondere konnten dadurch Geometrien realisiert werden, die  
mehrachsiger Teile validiert. Insbesondere konnten dadurch Geometrien realisiert werden, die  
ohne Regelung nicht möglich wären. Technische und methodische Details sind in einem ge-
ohne Regelung nicht möglich wären. Technische und methodische Details sind in einem gemeinsamen Paper zu finden, das derzeit in der Veröffentlichung ist: Investigations on In-Process Nozzle-to-Work Distance Measurements for a Closed-Loop-Control in Wire Arc Additive  
meinsamen Paper zu finden, das derzeit in der Veröffentlichung ist: Investigations on In-Pro-
cess Nozzle-to-Work Distance Measurements for a Closed-Loop-Control in Wire Arc Additive  
Manufacturing, Reisch et al., Paper im Journal of Manufacturing Systems. In einem nächsten  
Manufacturing, Reisch et al., Paper im Journal of Manufacturing Systems. In einem nächsten  
Schritt werden zur Ergänzung der Abstandsreglung auch die Breitenregelung sowie eine Drall-  
Schritt werden zur Ergänzung der Abstandsreglung auch die Breitenregelung sowie eine Drall-  
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auf mehrachsigen AM-Prozessen (WAAM, DED), die typischerweise von einer numerischen  
auf mehrachsigen AM-Prozessen (WAAM, DED), die typischerweise von einer numerischen  
Bahnsteuerung (z. B. Sinumerik) geregelt und teilweise auch in Kombination mit subtraktiven  
Bahnsteuerung (z. B. Sinumerik) geregelt und teilweise auch in Kombination mit subtraktiven  
Bearbeitungsmöglichkeiten in einer Maschine vereint werden. Mit Hilfe eines an der Maschi-
Bearbeitungsmöglichkeiten in einer Maschine vereint werden. Mit Hilfe eines an der Maschinenkinematik mitgeführten Laserlinienscanners <ref Alternativ werden auch Tiefenkameras und Punktlaser unterstützt.> entsteht eine dreidimensionale Punktewolke  
nenkinematik mitgeführten Laserlinienscanners <ref Alternativ werden auch Tiefenkameras und Punktlaser unterstützt.> entsteht eine dreidimensionale Punktewolke  
der Werkstückoberfläche, die während des Prozesses fortlaufend aktualisiert wird. Daraus ergeben sich nun zwei für die additive Fertigung relevante Anwendungsmöglichkeiten: Zum einen lassen sich bestehende Werkstücke in der späteren Bearbeitungsaufspannung als Grundlage zur Planung von Additivoperationen im CAM System digitalisieren. Dies ist besonders für  
der Werkstückoberfläche, die während des Prozesses fortlaufend aktualisiert wird. Daraus er-
AM gestützte Reparaturverfahren („Füllen schadhafter Werkstückbereiche“) oder das Andrucken von Formelementen an konventionell gefertigte Rohteile hilfreich. Andererseits ist eine
geben sich nun zwei für die additive Fertigung relevante Anwendungsmöglichkeiten: Zum ei-
Überwachung geometrisch tolerierter Werkstückfeatures möglich, sodass fehlerhafte Prozessläufe frühzeitig erkannt und korrigiert bzw. abgebrochen werden können. Hierzu wurde eine  
nen lassen sich bestehende Werkstücke in der späteren Bearbeitungsaufspannung als Grund-
Schnittstelle geschaffen, um die nominelle Werkstückgeometrie inklusive der ISO Toleranzinformationen (z. lB. Ebenheit) direkt aus der Konstruktionsumgebung auf die Maschine zu  
lage zur Planung von Additivoperationen im CAM System digitalisieren. Dies ist besonders für  
transferieren. Abweichungen in Form und Lage werden dem Bedienpersonal über eine Web-basierte Bedienoberfläche signalisiert. Das entwickelte System basiert auf der EDGE-Computing Plattform der Siemens AG und hat gute Chance auf eine wirtschaftliche Verwertung. Im  
AM gestützte Reparaturverfahren („Füllen schadhafter Werkstückbereiche“) oder das Andru-
cken von Formelementen an konventionell gefertigte Rohteile hilfreich. Andererseits ist eine
Überwachung geometrisch tolerierter Werkstückfeatures möglich, sodass fehlerhafte Prozess-
läufe frühzeitig erkannt und korrigiert bzw. abgebrochen werden können. Hierzu wurde eine  
Schnittstelle geschaffen, um die nominelle Werkstückgeometrie inklusive der ISO Toleranzin-
formationen (z. lB. Ebenheit) direkt aus der Konstruktionsumgebung auf die Maschine zu  
transferieren. Abweichungen in Form und Lage werden dem Bedienpersonal über eine Web-
basierte Bedienoberfläche signalisiert. Das entwickelte System basiert auf der EDGE-Compu-
ting Plattform der Siemens AG und hat gute Chance auf eine wirtschaftliche Verwertung. Im  
nächsten Berichtszeitraum ist geplant, dass System an einer WAAM Anlage zu evaluieren.  
nächsten Berichtszeitraum ist geplant, dass System an einer WAAM Anlage zu evaluieren.  
Zudem erfordert die Datenverarbeitung zur Berechnung der Gestaltabweichungen auf Grund-
Zudem erfordert die Datenverarbeitung zur Berechnung der Gestaltabweichungen auf Grund-

Version vom 28. Oktober 2022, 15:00 Uhr

Arbeitspaket 4: Adaption und Übertragbarkeit der Prozessfähigkeit auf andere Bauteile
5: Qualitätsmonitoring
Konsortialpartner Siemens, Uni Passau

Die Zusammenarbeit zwischen der Universität Passau und Siemens basierte auf der Weiterentwicklung von Prozess-Monitoring Verfahren für die mehrachsige additive Drahtlichtbogenfertigung (Wire-Arc Additive Manufacturing / WAAM). Dabei hat die Siemens AG die experimentelle Arbeit, die Steuerungs- und Regelungstechnik und die Validierungsversuche übernommen. Die Auswertung der Bilder der Schweißkamera einschließlich Bildvorverarbeitung und Feature-Extraktion sowie die Modellauswahl und das Training eines neuronalen Netzes wurden von der Universität Passau durchgeführt. Einer der Kernpunkte war die Entwicklung eines Closed-loop-Reglers für das Wire-Arc Additive Manufacturing zur Prozessstabilisierung. Im WAAM-Prozess ist die Einhaltung des richtigen Düsen-Arbeits-Abstands entscheidend, um Kollisionen und Prozessfehler zu vermeiden. Dieser Arbeitsabstand wird vorab in der Fertigungsplanung des Bauteils versucht möglichst exakt zu definieren. Dies ist aber vor allem bei der Pfadplanung von komplexeren Bauteilen schwierig umsetzbar. Die interne Regelung während des Prozesses in Echtzeit gleicht diese Ungenauigkeiten aus, wodurch die Produktion einer Charge wesentlich beschleunigt und vereinfacht wird. Die Prozessregelung adaptiert in diesem Fall die Roboter-Verfahrgeschwindigkeit, wodurch die Schichthöhe schnell adaptiert werden kann, ohne die Prozessparameter zu verändern. Dazu wurden verschiedene Sensor-Konzepte (Strom/Spannungssensoren, akustische Sensoren, Spektrometer, Schweißkamera, etc.) hinsichtlich quantitativer und qualitativer technischer sowie wirtschaftlicher Kenngrößen analysiert, wobei sich herausstellte, dass die Schweißkamera aufgrund ihrer Fähigkeit geometrie- und richtungsunabhängig die Schichthöhe zu bestimmen, am geeignetsten für eine unidirektionale stabile Prozessregelung ist. In den Schweißkamerabildern lässt sich aufgrund der Perspektive und der wechselnden Geometrie der Abstand nicht direkt bestimmen. Anstatt dessen wurde der oszillierende Schweiß- draht als räumliche Orientierung herangezogen. Verfahrensbedingt taucht der Draht periodisch ins Schmelzbad ein, um den Stromkreis zu schließen. In diesen Momenten entspricht die Drahtlänge (Stick-Out) dem Düsen-Arbeits-Abstand. Als Hindernis ist an dieser Stelle die im Vergleich zum Produktionsprozess niedrigere Aufnahmefrequenz zu nennen, sodass die oszillierende Drahtbewegung nicht als Ganzes aufgelöst werden kann. Durch Beobachten des Stick-outs in einem hinreichend großen Zeitfenster kann jedoch auf den momentanen Düsen-Arbeits-Abstand über die längste Drahtlänge innerhalb dieses Zeitraums geschlossen werden.

🚧 ❬Abbildung 10 einfügen.

Die Drahtlänge wurde nach der Erprobung verschiedener Bildanalyse-Algorithmen schließlich mittels eines Modells, basierend auf einem neuronalen Netz, aus den Schweißkamerabilddaten extrahiert. In der Erprobungsphase wurden klassische modellbasierte Bildverarbeitungsmethoden getestet. Sowohl Kantenextraktionsverfahren als auch detailliertere Orts-Frequenzraum-basierte Verfahren zur Informationsextraktion erwiesen sich als gleichermaßen ungeeignet, um die verfahrensbedingt starken, kontinuierlichen Änderungen der Hintergrund- und Lichtverhältnisse systematisch zu erfassen. Auch das Erscheinungsbild des Drahtes ändert sich permanent. So lässt er sich u. U. sehr schlecht vom Hintergrund abgrenzen, da der Draht je nach Lichtreflexion heller oder dunkler erscheint. Versuche der Modellbildung mit oben genannten Verfahren führten zu nicht-deterministischen Kaskaden von Fallunterscheidungen, die vor allem in Grenzfällen zu unpräzisen Ergebnissen führten. Da allerdings der Draht bzw. dessen Ausmaße mit dem menschlichen Auge durchaus nahezu immer zu erkennen sind, wurde als vielversprechende Methode Machine-Learning (genauer der Einsatz eines neuronalen Netzes) gewählt. Nach einer Kalibrierung der Anlage und der Bildgebung, die in Kooperation entstand, wurden für den Aufbau und das Training eines neuronalen Netzes, konkret eines Deep Convolutional Neural Networks (DCNN), über 5000 Bilder gelabelt. In der Offline-Analyse erwies sich das trainierte Netz als robust bezüglich perspektivischer Änderungen, unterschiedlichen Geometrien und wechselnden Umgebungsverhältnissen. Die Prädiktionsfehler im Generalisierungsfall lagen stets im Toleranzbereich. Das Netz ist in der Lage die Drahtlänge in Echtzeit vorherzusagen, da die Berechnung der momentanen Drahtlänge aus einer Einzelaufnahme auf der CPU eines Standard Desktop PCs weniger als 30ms beträgt.

Auf Basis der Abstandsmessung zur Schichthöhenbestimmung wurde eine Abstandsregelung geschaffen. Anstatt im Fall einer Abstandsabweichung die Düse direkt zu repositionieren, werden die Roboter-Verfahrgeschwindigkeit und so die Schmelzbadgeometrie wie gewünscht be- einflusst. Die Funktionsfähigkeit der Abstandsregelung wurde durch die Herstellung komplexer mehrachsiger Teile validiert. Insbesondere konnten dadurch Geometrien realisiert werden, die ohne Regelung nicht möglich wären. Technische und methodische Details sind in einem gemeinsamen Paper zu finden, das derzeit in der Veröffentlichung ist: Investigations on In-Process Nozzle-to-Work Distance Measurements for a Closed-Loop-Control in Wire Arc Additive Manufacturing, Reisch et al., Paper im Journal of Manufacturing Systems. In einem nächsten Schritt werden zur Ergänzung der Abstandsreglung auch die Breitenregelung sowie eine Drall- und Spratzererkennung untersucht.

🚧 ❬Abbildung 11 einfügen.

Ferner wurde durch Siemens an der Entwicklung eines Systems zur prozessbegleitenden Überwachung der geometrischen Werkstückqualität gearbeitet (Abbildung 12). Im Gegensatz zu den an der FHWS durchgeführten Aktivitäten zur Qualitätsüberwachung liegt der Fokus hier auf mehrachsigen AM-Prozessen (WAAM, DED), die typischerweise von einer numerischen Bahnsteuerung (z. B. Sinumerik) geregelt und teilweise auch in Kombination mit subtraktiven Bearbeitungsmöglichkeiten in einer Maschine vereint werden. Mit Hilfe eines an der Maschinenkinematik mitgeführten Laserlinienscanners <ref Alternativ werden auch Tiefenkameras und Punktlaser unterstützt.> entsteht eine dreidimensionale Punktewolke der Werkstückoberfläche, die während des Prozesses fortlaufend aktualisiert wird. Daraus ergeben sich nun zwei für die additive Fertigung relevante Anwendungsmöglichkeiten: Zum einen lassen sich bestehende Werkstücke in der späteren Bearbeitungsaufspannung als Grundlage zur Planung von Additivoperationen im CAM System digitalisieren. Dies ist besonders für AM gestützte Reparaturverfahren („Füllen schadhafter Werkstückbereiche“) oder das Andrucken von Formelementen an konventionell gefertigte Rohteile hilfreich. Andererseits ist eine Überwachung geometrisch tolerierter Werkstückfeatures möglich, sodass fehlerhafte Prozessläufe frühzeitig erkannt und korrigiert bzw. abgebrochen werden können. Hierzu wurde eine Schnittstelle geschaffen, um die nominelle Werkstückgeometrie inklusive der ISO Toleranzinformationen (z. lB. Ebenheit) direkt aus der Konstruktionsumgebung auf die Maschine zu transferieren. Abweichungen in Form und Lage werden dem Bedienpersonal über eine Web-basierte Bedienoberfläche signalisiert. Das entwickelte System basiert auf der EDGE-Computing Plattform der Siemens AG und hat gute Chance auf eine wirtschaftliche Verwertung. Im nächsten Berichtszeitraum ist geplant, dass System an einer WAAM Anlage zu evaluieren. Zudem erfordert die Datenverarbeitung zur Berechnung der Gestaltabweichungen auf Grund- lage der Rohdaten noch weitere Forschungsarbeit.

🚧 ❬Abbildung 12 einfügen.